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PerLe an den Günter-Wöhe-Schulen

Handelsschüler präsentieren ihre persönlichen Lernerfahrungen beim Besuch der Staatssekretärin

Lernprozesse bewusst und Lernerfolge sichtbar machen. – Diese Ziele verfolgt die „PerLe“, was für „persönliche Lernerfahrung“ steht. Es handelt sich dabei um ein Konzept zur unterrichtlichen Kompetenzorientierung des Pädagogen Rüdiger Iwan aus Baden-Württemberg, das in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien für die beruflichen Schulen des Saarlandes adaptiert wurde. Auch in der Handelsschule der Günter-Wöhe-Schulen wurde das Konzept erfolgreich implementiert.

An zwei Tagen, einem ersten Ende Februar und einem zweiten Ende Mai, wurden die Schülerinnen und Schüler der Klasse H10a durch Herrn Iwan, der dafür eigens aus Schwäbisch-Hall angereist war, bei der Erstellung ihrer PerLen begleitet. Gleichzeitig hatten Lehrerinnen und Lehrer der Günter-Wöhe-Schulen die Gelegenheit, den Pädagogen bei seiner Arbeit mit den Lernenden zu beobachten, um so an die Umsetzung des Konzeptes in ihrem eigenen Unterricht herangeführt zu werden.

Die Arbeit an einer PerLe beginnt mit einer Phase des Erinnerns, was Rüdiger Iwan als zentral bezeichnet, denn viele wichtige Lernprozesse seien den Schülerinnen und Schülern zunächst gar nicht bewusst. An dem ersten der beiden Termine setzte diese Suche nach persönlich bedeutsamen Lernerfahrungen in der Lebenswelt der Lernenden an, konnte sich also auch auf Außerschulisches beziehen. Nach kurzer Zeit und dem gelenkten Austausch untereinander konnte jede Schülerin bzw. jeder Schüler individuell ihr bzw. sein Thema finden, wie z. B. die Überwindung von Ängsten, die Übernahme von Verantwortung oder das Hineinfinden in eine neue Kultur. Anschließend wurden die Lernenden durch Herrn Iwan geschickt dazu angeleitet, in einer schriftlichen Reflexion ihren individuellen Lernprozess zu rekonstruieren und diesen daraufhin auch zu visualisieren. Den Abschluss bildete ein Feedback, das sich die Schülerinnen und Schüler untereinander in schriftlicher Form gaben.

Die Rückmeldung der Klasse sowie der anwesenden Lehrerinnen und Lehrer war überaus positiv. „Ich weiß nicht, ob und wann ich mich das letzte Mal so lange und so intensiv mit einem Thema auseinandergesetzt habe“, kommentierte eine Schülerin die Arbeit an ihrer Lern-PerLe.

Am zweiten Termin, Ende Mai, stand die Erstellung einer Fach-PerLe im Mittelpunkt, wobei der Kontext bei der Suche nach Lernerfahrungen auf die Unterrichtsinhalte aus den Fächern Mathematik, Rechnungswesen und Englisch des vergangenen Schuljahres eingegrenzt wurde. Zur Freude der anwesenden Fachlehrerinnen konnten sich die Schülerinnen und Schüler an zahlreiche Lerninhalte erinnern. Nach der individuellen Auswahl eines Themas und der schriftlichen Reflexion über den Lernprozess war es nun die Aufgabe der Lernenden, ihr fachliches Können unter Beweis zu stellen. Dies gelang in drei Schritten: Reproduktion – Produktion – Kreation. Hierbei suchten die Lernenden zunächst nach bereits erfolgreich bearbeiteten Aufgaben, um dann noch nicht bearbeitete oder selbst erstellte Aufgaben darzubieten und schließlich selbständig Klausuraufgaben inklusive Musterlösung zu ihrem Thema zu kreieren.

Eine besondere Würdigung ihrer individuellen Leistung erfuhren die Lernenden durch die abschließende Präsentation ihrer beiden erarbeiteten PerLen. Als besonderer Gast war neben Eltern der Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrern auch Christine Streichert-Clivot, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung und Kultur, anwesend. Die gewählte Form der Präsentation bezeichnete Rüdiger Iwan als „Marktplatz“: Jede Schülerin bzw. jeder Schüler saß an einem eigenen Tisch und stellte einem ihr bzw. ihm gegenübersitzenden Gast ganz individuell ihre bzw. seine beiden PerLen vor.

Frau Streichert-Clivot lobte die Lernenden und das Konzept der PerLe: „Besonders gut gefällt mir, dass bei denjenigen Schüler/innen, mit denen ich gesprochen habe, eine Zielidee entsteht. – Wo möchte ich hin als Schüler?“ Zu der erfolgreichen Selbstreflexion dürfte die Erstellung der beiden PerLen einen wichtigen Beitrag geleistet haben.

Dank gilt Rüdiger Iwan und dem LPM, die die Implementierung des Konzepts an den Günter-Wöhe-Schulen ermöglicht haben, den bei der Präsentation anwesenden Eltern sowie der Staatssekretärin Christine Streichert-Clivot für ihr Interesse und die Würdigung der Arbeitsergebnisse. Ganz besonders möchten wir den beteiligten Lehrkräften und den Schülerinnen und Schülern der H10a für ihre aktive Mitarbeit an den beiden Terminen danken.

 Dokumentationsfilm bei youtube (extern)

Text: Florian Kochems

Bilder: Andreas Brück

 

Bild 1: Die Staatssekretärin lobte die Arbeit der Schülerinnen und Schüler.

Bild 2: Präsentation der PerLen als „Marktplatz“