Modellversuch FOS.Plus: Warteschleifen vermeiden – Abbrecher- und Wiederholerquoten verringern

Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Jugendliche, Verstärkung der individuellen Förderung und eine deutliche Reduzierung der Abbrecher- und Wiederholerquoten an den saarländischen Fachoberschulen (FOS) – das sind die Ziele des landesweiten Modell­versuchs FOS.Plus.
Der Modellversuch ist auf vier Jahre angelegt und wird bereits zum kommenden Schuljahr 2015/16 starten.

Mit dem Versuch FOS.Plus soll vermieden werden, dass Jugendliche ihre Zeit nicht mit hoher Verweildauer in Warteschleifen verbringen, sondern ihre Chancen auf gute Aus­bildungs- und Schulabschlüsse wahrnehmen können. Gleichzeitig dienen qualitäts­ver­bessernde Maßnahmen an der FOS, um die Studierfähigkeit sowie die Sozial- und Handlungskompetenz der FOS-Schülerinnen und -Schüler zu verbessern. Auf diese Weise profitieren alle Beteiligten: Die Jugendlichen erhalten konkrete Beratungsleistungen und Hilfestellungen. Die Betriebe werden bei der Fachkräfte- und Nachwuchssicherung unterstützt. Die FOS und Beruflichen Schulen werden entlastet. Die Studieneignung der FOS-Absolventinnen und -Absolventen und deren Handlungskompetenz im beruflichen Alltag werden verbessert.

Laut Stichproben wiederholen ca. 15 Prozent der FOS-Schülerinnen und Schüler bereits die Klassenstufe 11. Ca. 20 bis 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler gehen vorzeitig von der Schule. Die Klassenstufe 12 durchlaufen nach den Prüfungsstatistiken rund 33 Prozent der Schülerinnen und Schüler nicht erfolgreich, weil sie die Klasse 12 vorzeitig beenden oder weil sie die Prüfung nicht bestehen. Nur ca. 43 bis 45 Prozent der Schülerinnen und Schüler durchlaufen in zwei Jahren die FOS erfolgreich (keine Wiederholung). Die Folge: Viele Schülerinnen und Schüler wiederholen die Klassenstufe und sind zu lange in der Fach­oberschule gebunden. Lernklima und Lernerfolg in den Klassen werden ebenso beein­trächtigt wie die erforderliche Studienreife. Der Modellversuch FOS.Plus soll hier gegen­steuern.

Fachoberschule – neue Organisation

Die Fachoberschule umfasst die Klassenstufen 11 und 12. Sie bereitet auf ein Studium an einer Fachhochschule und auf anspruchsvolle theoriebetonte Ausbildungsberufe vor. In der Klassenstufe 11 arbeiten die Schülerinnen und Schüler an zweieinhalb Tagen in der Woche im Rahmen eines Praktikums im Betrieb und an zwei Tagen in der Woche besuchen sie den Unterricht sowie an einem Nachmittag den so genannten Förderunterricht (3 Unterrichtsstun­den). Der Förder­unterricht ist verpflichtend und dient der individuellen Förderung der Schü­lerinnen und Schüler. Gefördert wird zunächst in den Fächern Mathematik, Deutsch und Eng­lisch/Französisch. Um einen sinnvollen, effizienten Förderunterricht zu gewährleisten, beinhaltet das Förderkonzept auch die Stärkung der Sozial- und Handlungskompetenz (Schule und Betrieb) sowie in Abstimmung mit den Betrieben und dem Arbeitsamtsberater auch ein strenges Leistungskontroll- und Disziplinmanagement.

Praktikumsbetreuung und Bildungswegeberatung

Wesentlicher Baustein des Modellversuchs FOS.Plus ist eine neue Praktikumsbetreuung und Bildungswegeberatung für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 11, die während ihres Betriebspraktikums in Zukunft durch mehrere Lehrkräfte (Praktikumsbetreuer und Klassen­lehrer der Schule) betreut und mittels einer Bildungswegeberatung im Betrieb vor Ort bzw. in der Schule und in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt über die Möglichkeiten einer dualen Berufsaus­bildung beraten werden. Auf diese Weise wird Schülerinnen und Schülern, die die Klassen­stufe 11 absehbar wiederholen werden oder deren Bildungsweg über eine Berufsausbildung mehr Erfolg verspricht, eine neue Perspektive eröffnet.

Individuelle Förderung

Um die Erfolgsquote in Klassenstufe 12 zu steigern, werden in der Klassenstufe 11 für jede Schülerin und jeden Schüler drei zusätzliche Wochenstunden in den Fächern Mathematik, Fremdsprache und Deutsch eingeplant. Diese Zusatzstunden werden je auf den individuellen Förderbedarf (Lernniveaus) abgestimmt und eingesetzt. Zur Gewährleistung des individua­lisierten Un­ter­richts werden diese Stunden von der Leistungsmessung ausgenommen. Die Schülerinnen und Schüler müssen allerdings ihren Lernfortschritt in einem Lerntagebuch dokumentieren. Dieses Lerntagebuch muss dem Förder- und Fachlehrer vorgelegt werden.

Zur Verbesserung der Sozial- und Handlungskompetenz werden u.a. Lions Quest- und Business Knigge- Kurse frühzeitig im Förderunterricht angeboten. Der Förderunterricht wird im zweiten Schulhalbjahr abhängig von der Leistungskontrolle und der Auswertung der Lern­tagebücher sowie der Rückkoppelung mit dem Praktikumsbetrieb/-betreuer durch spezielle mit den Schülerinnen und Schüler abgestimmten Fördermaßnahmen ergänzt.

Durch die Zusatzstunden entfallen die bisherigen Lernstoffwiederholungen im regulären Unterricht der Klassenstufe 11. Durch das Zusammenwirken von Praktikumsbetreuung, Bildungswegeberatung und individueller Förderung wird es den Jugendlichen ermöglicht, sich relativ frühzeitig bei Bedarf in Richtung einer Berufsausbildung umzuorientieren. Das Verharren in Warteschleifen und Übergangssystem kann so reduziert, das Lernniveau verstetigt, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten ermöglicht und die Anzahl der Wieder­holerinnen und Wiederholer in Klassenstufe 12 deutlich verringert werden.

FOS.plus      

= umfassendes, individuelles Förder- und Beratungskonzept
= leistungs- und förderwillige Schülerinnen und Schüler unterstützt durch fachkompetente und beratende Lehrer
= Vertrauen gegen Vertrauen